Mutter wann stirbst du endlich?

 

Wenn die Pflege der kranken Eltern zur Zerreißprobe wird

Ein herzzerreissendes Buch in dem Martina Rosenberg die Pflege ihrer Eltern beschreibt. Wie zuerst die Mutter und dann auch der Vater immer mehr verfallen und sich in zwei vollkommen andere Menschen verwandeln. Dabei waren die Voraussetzungen für die Pflege doch am Anfang hervorragend. Sie hatten ein großes Haus und zwei getrennte Wohnungen. Eine Pflegerin wohnte im Dachgeschoß in einer kleinen Wohnung, der Pflegedienst kam und zeitweise zwei weitere Pflegerinnen, eine Haushälterin. Trotzdem hatte sie immer und immer wieder ein schlechtes Gewissen, obwohl sie am Rande ihrer Kräfte war, weil sie und ihr Mann noch voll im Berufsleben standen. Und das ist es. Immer wieder heißt es, sowas tut man nicht, man gibt die Eltern nicht ins Pflegeheim. Bei uns wird zu Hause gepflegt. Und dieses Buch zeigt ganz klar, auch wenn man die Möglichkeit der Pflege zu Hause hat, es macht die Familie kaputt.

Auch bei mir war das so, allerdings sind wir gesetzlich versichert und ich konnte und kann einer Pflegerin kein eigenes Zimmer geben. Die erste Maßnahme war, dass ich in eine Wohnung neben dem Haus meiner Mutter zog. Zwei Jahre habe ich sie zu Hause gepflegt, morgens rüber, aus dem Bett holen, entweder Frühstück oder waschen von oben bis unten, oder umgekehrt. Alles wieder aufräumen. Nach Hause gehen. Mittags kochen, alles aufräumen. Nach Hause gehen. Abends das Gleiche. Abendessen, ausziehen, waschen anziehen. Dann blieb ich oft noch sehr lange und habe mich mit ihr unterhalten, fernsehen geschaut, Kataloge angeschaut, Bilder. Dann wieder rüber. Staub saugen, schwere Arbeiten machte mein Mann. Ich musste natürlich die Wohnung machen, waschen, putzen. Zwei Haushalte halt. Und oft rief sie an, komm doch rüber und ich ging. Schlüssel und Geld, Handtaschen verräumt. Die Tochter hat natürlich alles gemacht. Nach und nach übernahm ich alles, was sie vorher noch im Alter von 90 Jahren selber gemacht hat.

Ich wurde immer kränker, Knie kaputt, Hüfte kaputt. Ich war auch am Ende.

Zwischenzeitlich stürzte sie immer wieder und wusste nicht, was passiert ist. Morgens lag sie quer im Wohnzimmer und war vollkommen wirr, wusste nicht wo sie war. Es kam ihr bekannt vor. Oberschenkelhalsbruch. Reha. Später dann Jochbeinbruch unter dem Auge. Wieder später Beckenbruch vorne und hinten. Nach der Reha haben wir versucht sie in ein kleines Pflegeheim zu geben und sie hat sich mit Händen und Füßen gewehrt. Kam wieder nach Hause. Ich habe sie weiter gepflegt. Dann sagte ich, kann nicht mehr, ein Pflegedienst muß her und dann stürzte sie wieder und nach dem Krankenhaus habe ich sie dann ins Pflegeheim gegeben. Was man seelisch dabei aushält, wenn die Mutter, mit der man immer ein sehr gutes Verhältnis hatte, immer mehr körperlich und geistig verfällt, kann man niemandem vermitteln.

Als meine Oma sich selbst ins Altersheim einlieferte, kostete das damals 1.000,00 DM. Heute sind die Kosten immens gestiegen. Wir müssen über 2.000,00 € zu zahlen. Das geht natürlich von ihrem ersparten weg. Und dann dieser Pflegenotstand. Es sind einfach zu wenig Pfleger da und diese bekommen auch viel zu wenig Geld für ihre schwere Arbeit. Wie es weiter geht, wenn das Ersparte aufgebraucht ist, wissen wir nicht.

Seit letztem Jahr ist sie nun 1 Jahr in einem Pflegeheim. Es ist das Beste, das es hier bei uns am Ort gibt. Richtig laufen kann sie nicht, sitzt im Rollstuhl. Nur noch ein Hauch ihrer selbst. Wir besuchen sie jede Woche. Öfter können wir nicht, weil sie dann total durcheinander wird. Alles muß seinen geregelten Gang gehen. Will immer nach Hause und das schlechte Gewissen ist unser ständiger Begleiter. Sowas tut man doch nicht, die Mutter ins Pflegeheim geben. Es ist das was wir nie wollten, aber das Leben hat es anders mit uns, mit ihr gemeint. Ich kann es nicht ändern, so sehr ich es auch wollte.

 

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